|
So
ungefähr könnte die Schlagzeile in einer Aachener Zeitung lauten. Es
wusste wohl kaum einer der vielen Gäste, was ihn an diesem Abend erwarten
würde. Selbst die wenigen Besucher, die man zur Zielgruppe zählen kann,
waren sehr überrascht.
Was
war passiert? Im Rahmen der Aachener Kunstausstellung fand in der
Nobeldisco Club Zero, die sich im Kellergeschoss des Spielkasinos
befindet, eine Art Abschlussparty des Abends statt. Dafür wurden zwei
namhafte Industrialprojekte (Club Moral und Thorofon) und ein belgischer
DJ eingeladen. Kontakte zur Künstlerszene NAK ermöglichten diese
ungewöhnliche Kombination aus Veranstaltungsort, Bühnenperformance und
Musikwahl.
Alle
weiteren Ausführungen beschreiben die Eindrücke der Zielgruppe aus
Osnabrück und Umgebung bzw. Hagen. Obwohl im Vorfeld bereits klar war,
dass das Konzert im Gebäude des Spielkasinos stattfinden sollte, wollte
man diesen Angaben dennoch keinen Glauben schenken. Man schlich demzufolge
mehrmals um das Gebäude herum, vorbei an einem Minigolfplatz, einer
Hochzeitsgesellschaft und durch den ganzen Park, um einen Seiteneingang zu
finden. Schließlich trauten wir uns dann doch, den Haupteingang des
Spielkasinos zu benutzen.
Die
Blicke der Gäste waren sehr interessant. Kannte man solche Gestalten wie
uns doch nur, wenn überhaupt, aus dem Fernsehen. Es war sicherlich auch
das erste und letzte Mal, dass man so ein martialisches Auftreten in einem
Spielkasino zu sehen bekam. In der Warteschlange zum Club Zero befanden
sich ausschließlich Personen, die man definitiv nicht zur Zielgruppe des
Konzertes zählen konnte. Hier gab es dann unsererseits Zweifel, ob wir uns
nicht geirrt haben. Als ich mir aber an der Kasse die Bestätigung holte,
dass es sich nicht um ein Missverständnis handelt, war die Verwirrung noch
größer. Was erwartet uns bloß unten in dem Club?
Der
mit Teppichen versehene Eingangsbereich ging weiter unten über in einen
Discothekenbereich mit verspiegelten Wänden, Edelstahlverzierungen und
beleuchtetem Tanzflächenboden. Thorofon begegneten uns gleich zu Anfang,
so dass wird endlich aufatmen konnten: Wir waren richtig! Kurz darauf
begann auch das Konzert. Der Auftritt wurde teilweise mit fragenden
Blicken aufgenommen. Das ist auch kein Wunder! Wurden doch so manche Gäste
zum ersten Mal mit Industrial konfrontiert. So etwas ist garantiert nicht
leicht zu verdauen.
Die
Gäste, die den Auftritt von Thorofon noch einigermaßen angenehm fanden,
sind spätestens nach dem Auftritt von Club Moral fertig gewesen. Zitat
eines Gastes: So etwas macht einem Therapeuten Angst! Vielleicht täusche
ich mich auch. Aber die Gesichter der Gäste haben eine deutliche Sprache
gesprochen.
Thorofon, diesmal zu dritt, haben mit einer
super Performance und genialem Sound einen fabelhaften Auftritt
präsentiert. Club Moral haben durch die charismatischen Bewegungen des
Sängers, den ebenfalls hervorragenden Sound, das Publikum mit einer
außergewöhnlichen Darbietung verwöhnt. Ob das natürlich jeder so
aufgenommen hat, steht auf einem anderen Blatt.
Die
anschließende Party begann mit Disco-Musik aus den Achtzigern. Die noch
angepasste Musik füllte rasch die beleuchtete Tanzfläche. Dies änderte
sich, als der DJ auf Minimal-Elektronik, Old-School-EBM und Ur-Industrial
umschwenkte. Diese Boxen haben zuvor bestimmt noch keine Stücke von SPK,
TG, Klinik, Nitzer Ebb, Front 242 usw. gespielt und werden es auch wohl
nicht mehr. Tapfere Gäste ließen sich dennoch noch nicht von der
Tanzfläche verscheuchen.
Es gab Bilder auf der Tanzfläche, die eigentlich
in die Geschichte eingehen müssen. Viele kannten sicherlich nicht das,
wozu sie tanzten. Abgeschlossen wurde der Abend mit Johnny Cash. Das war
um ca. 04:30. Um 08:45 konnte ich mich dann mit den immer noch nicht
verdauten Ereignissen ins Bett legen. Noch einmal ein riesiges Lob an den
Veranstalter, die Künstlerszene und die toleranten Gäste.
And242
|